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Luzon

Die Stufen in den Himmel

Terrassen Wunder
Wenn die Filipinos Luzon sagen, meinen sie oft nur die Hauptstadt Manila und ihre Umgebung. Die Bergprovinzen im Norden werden mit herablassendem Achselzucken abgetan. Dort sei die Zeit stehen geblieben, sagen die Flachlandbewohner geringschätzig. Doch gerade in den zerklüfteten Bergen der Cordilleras kommt der Reisende den Wurzeln der philippinischen Kultur am nächsten.

Berge von Benquet

Um die 2500 m hoch sind die Berge von Benquet und Ifugao, von Kalinga-Apayao und der Mountain Province, allesamt touristisch weniger erschlossene Region. Ortsfremde sollten dort in Begleitung eines einheimischen Führers und möglichst nur in kleinen Gruppen reisen. Kalinga-Apyao ist Ausgangspunkt für echte Abenteurer und gut geplante Expeditionen, die Sie nicht alleine bewältigen sollten. Aufziehende Nebelwolken könnten auf Bergpisten Autofahrer die Sicht rauben. Bei Unwetter besteht die Gefahr von Steinschlag und Erdrutschen.

Reissender Flüsse

Die Menschen, die auf den Bergkuppen und an den steilen Hängen wohnen, die ihre Dörfer in wilden, zerklüfteten Tälern angelegte haben und an den Ufern reissender Flüsse, sind von der kolonialen Überfremdung der Philippinen weit gehen verschont geblieben. Igorot werden sie genannt; Menschen der Berge.

Reisterrassen

Doch hinter diesem Sammelbegriff verbirgt sich eine Vielzahl von Völkern. Sie leben noch nach den Gesetzen ihrer Vorfahren, und pflanzen Reis an. Ihre Welt ist von Geistern beseelt, die es in zahllosen Ritualen zu besänftigen gilt. Ihre kunstvoll in die Hänge gegrabenen Terrassenfelder haben bereits die Vorfahren der Bergbevölkerung vor etwa 2000 Jahren angelegt. Bis in einer Höhe von 1500 Meter klettern die Reisterrassen, in die auch Dörfer der einzelnen Clans eingebettet sind.

Die Wissenschaft und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Unesco, hat sie zum Weltkulturerbe erklärt, der Volksmund spricht vom achten Weltwunder.

Einfaches Leben der Ifugao

Erst im 19. Jahrhundert gelangen es allmählich, die Ifugao an die christliche Zivilisation heranzuführen, und erst dann auch stiessen kühne Forschungsreisende zu den weit abgelegenen Reisterrassen von Banaue vor. Die auf einfachem Niveau lebenden Heiden mit diesem kolossalen Werk in Verbindung zu bringen, galt jedoch als absolut abwegig. Sie waren allenfalls Hüter der uralten Tradition eines unbekannten ausgestorbenen Volks weit höheren Kultustandes, theoretisierte man lange. Diese Gesinnung hat sich bin in die Neuzeit erhalten. Die Ifugao sind immer noch da, ihr Lebensstil ist weiterhin von anachronistischer Schlichtheit geprägt. Sie beten nach dem Kirchgang und dem artigen Absingen englischsprachigen Liedguts ihre alten Götter an, und sie bewirtschaften die Reisterrassen mit dem ruhigen Selbstverständnis ihrer Vorfahren, die präzise das Gleiche taten.

Rote Blumen

Rote Blumen blühen am Rand der Reisfelder, dort kamen Krieger bei Kämpfen mit andren Stämmen ums Leben. Die Bergvölker hatten ständig Zoff miteinander, manchmal von Dorf zu Dorf. Die Gelehrten beginnen sich jetzt mit dem Gedanken anzufreunden, dass es vielleicht dort die Himmelswelt-Menschen selbst waren, die aus mongolischen Gefilden zugewandert, von der Stunde Null an des monumentale Werk schufen und es über ungezählte Generationen hinweg immer gigantischer dimensionierten an nahmen.

Wann war diese Sternstunde?

Sie liegt vielleicht in alttestamentarischer Zeit, vor 3000 Jahren. Womöglich muss die Zahl sogar noch nach unten korrigiert werden. Jeder neue archäologische Fund stellen die Uhr weiter zurück und dem Bau der frühesten Pyramiden immer näher. Die waren übrigens, man erinnere sich, das erste Weltwunder.